Sophie

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Wo nur? Wo hatte sich Herr Hinkebein, der kluge Bär, denn nur versteckt? Sophie hatte schon den ganzen Schlafsaal nach ihm abgesucht, unter allen Betten, unter allen Kissen und Laken, und in allen Kisten, jeder Schrank war auf den Kopf gestellt, doch von dem einäugigen Bären fehlte jede Spur. Seufzend stand die kleine Sophie inmitten des Saals. Durch die großen Doppelflügelfenster fiel grelles Morgenlicht ein, das den Raum auf der Fensterseite zwar erhellte, aber die Schatten auf der gegenüberliegenden Seite bei der Türe noch dunkler wirken ließ. Einer der weißen Vorhänge, wehte in der kühlen Morgenluft, die durch einen weit geöffneten Fensterflügel hineinströmte und den Mief der vergangenen Nacht mit sich hinaus in die winterkalte Stadt trug. Der Schatten, den der Vorhang warf, war gräulich und bewegte sich tanzend auf den knarzenden Holzdielen wie ein Schleier im Wasser.

Noch einmal schaute Sophie zu den massiven Holzschränken, die zu beiden Seiten neben der Türe standen und alle Kleidung, Laken und Bezüge sowie Tischdecken und Besen in sich stauten. Oben auf, hinter einer kleinen erhabenen Fassade, stapelten sich Kisten und Kästchen mit jeder Menge Kleinkram.

Nein“, meinte Sophie, die inmitten des Raumes neben dem Tisch mit den herangeschobenen Stühlen stand, „In den Schränken habe ich gründlich gesucht. Dort ist Herr Hinkebein ganz sicher nicht.“

Sie schweifte den Blick ihrer Kinderaugen zu den anderen Wänden des Raumes, an denen mit gleichmäßigen Abständen zwölf Betten, sechs je Seite, standen. Kleine Tischchen mit je einem Schubfach standen zwischen den Betten, doch sie hatte bereits alle auf den Verbleib ihres besten Freundes hin untersucht. Dort war er auch nicht.

Und unter den Betten, wo sich Kisten mit meist altem und gebrauchtem Spielzeug befanden, dort hatte Sophie auch schon erfolglos nachgesehen. Allmählich gingen ihr die Ideen aus, wo sich der Bär versteckt haben konnte. Sie wusste ganz genau, dass sie ihn zuletzt im Schlafsaal der Mädchen gesehen hatte, aber sie konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, wo sie ihn zurückgelassen hatte, ehe sie am gestrigen Abend schlafeshungrig taumelnd ins Bett gekrochen war. Aber ohne ihn, ohne ihren besten Freund, würde sie ihre Pläne nicht in die Tat umsetzen. Und bei allem, was sie sich in diesem Winter vorgenommen hatte, musste sie sich sputen, denn ansonsten würde sie an diesem Tag nicht mehr heimlich hinauskommen. Auf den nächsten Morgen wollte sie nicht warten müssen, denn bis dahin, da war sie ganz sicher, würden die anderen Kinder sie wieder traurig machen.

Noch einmal seufzte sie. Hatten die anderen ihr Herrn Hinkebein ganz fies versteckt? Sie zog einen Stuhl zurück von dem einen der zwei runden Holztische, die zwischen den Bettenreihen aufgestellt waren. Ein frostiger Schauer zog ihr durch den Körper, als der Luftzug an Kraft gewann und um ihren kleinen Kinderleib sich schlang. Unter den Morgenrock streifte der Wind und ließ die Haut erzittern. Nicht einmal hatte sie sich angezogen, obgleich ihr Vorhaben eilig war und sie ohne ihre warme Kleidung niemals hinausginge. Sobald das Frühstück vorüber war, würden die anderen Kinder herkommen und ihre Bücher, die fein säuberlich auf den kleinen Nachttischchen oder den großen runden Tischen gestapelt waren, holen und dann hätte Sophie keine Möglichkeit mehr, ungesehen ihrem Plan nachzugehen. Sowieso! Sie wollte keines der anderen Kinder heute sehen! Sie waren gemein zu ihr, hatten sie geärgert und zum Weinen gebracht, so, wie sie es schon oft getan hatten, doch jetzt war es Sophie zu viel geworden. Nein! Sie mochte das nicht mehr ertragen! Also hatte sie beschlossen, das Haus auf leisen Sohlen für immer zu verlassen. Sie wollte in die Stadt gehen und sich einen schöneren Ort suchen, um den die anderen sie beneiden würden. Aber Sophie würde ihnen nicht erlauben, dort einzutreten, denn es sollte ihr Ort werden, und an ihrem Ort würden nur Menschen eingelassen, die sie mochte, die sie nicht zum Weinen brächten.

Nur eines stand dem im Weg: Herr Hinkebein, der sich ganz und gar versteckt hielt, so, als ob er sie nicht begleiten wollte. Soweit sie sich zurückerinnerte, war der Bär, der nur noch auf dem linken Auge sehen konnte, weil das rechte ihm abgefallen war, bei ihr gewesen. Er hatte sie in der Nacht gewärmt, ihre Tränen getrocknet und ihr Leidklagen angehört. Er war ihre Familie, denn außer ihm hatte sie niemanden. Ja, sie war ein Waisenkind, solange schon, wie das Licht der Welt bereits auf sie hinabblickte. Die Hoffnung auf eine Familie hatte sie nie aufgegeben, obwohl seit vier Jahren nur selten jemand zur Adoption vorbeischaute. Armut und schwierige Zeiten hatten es die Schwestern genannt, um den Kindern Mut zu machen, dass sich alles noch zum Besseren kehren würde, eines Tages. Sophie hatte der Mut nie verlassen, sie war sicher, dass jedes Kind eines Tages eine Familie finden würde, aber nun wollte sie diese Hoffnung hinter sich lassen. Sie wollte hinausgehen, um nicht mehr geärgert zu werden. Und wer wusste es schon? Vielleicht war es ihre Chance, die passende Familie auf eigene Faust zu finden, anstatt im Heim zu sitzen und darauf zu warten, dass ihr Glück herbeigelaufen kam.

Schwelgend und verträumt schaute Sophie zum Fenster hin, durch das noch immer die eisigkalte Brise wehte. Gestern Abend hatte sie mit Herrn Hinkebein am Fenster gestanden und hinausgesehen. Der Schnee war seit dem Mittag unaufhörlich niedergegangen, Sophie war von dem Anblick gebannt gewesen, stundenlang hatte sie dort gestanden und dem Schneien zugesehen. Nun fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Am Fenster hatte sie ihn zuletzt gesehen!

Eilig lief sie auf tapsigen Füßen hin und schob den Vorhang von einem der geschlossenen Fenster weg. Da saß der kleine Bär, einsam auf der Fensterbank. „Herr Hinkebein!“, rief das Mädchen aus und nahm den kleinen Teddy mit dem angenähten Beine in den Arm, „Wir müssen eilig los. Sonst kommen wir nicht heimlich raus!“

Auf ihrem Bettchen setzte sie den Bären ab, griff rasch zu den Kleidern im Schrank und zog sich schnell ihr blassblaues Kleid mit weißem Schürzchen an. Darüber legte sie den blassgrünen Umhang, der ihren Kopf, die Schultern und den Körper bis zum Saum des Kleides bedeckte und den sie vorn am Halse ordentlich schnürte. Zuletzt zog sie sich die dicken Strümpfe bis zu den Knien hoch und schlüpfte in ihre guten, warmen Schuhe, die ein freundlicher Herr aus der Stadt vor drei Jahren in großer Menge dem Waisenhaus gespendet hatte. Damals hatte sie andere Schuhe bekommen, aber nun war sie aus jenen herausgewachsen und hatte vor fast einem Monat diese schwarzen von einem älteren Mädchen des Heims bekommen.

Zügig griff sie sich Herrn Hinkebein, band sich das kleine Säckchen mit den drei Murmeln an die Hüfte, die sie im Murmelwettkampf gegen Olaf gewonnen hatte, und tapste hin zur Türe. Diese öffnete sie einen Spaltbreit, weiter nicht und langsam und leise war sie dabei, damit keiner, der zufällig vorbeikommen sollte, ihr Fehlen beim Frühstück bemerkte. Sie schaute durch den Spalt hindurch in den großen Flur, horchte auf Geräusche, Schritte womöglich, die auf den Dielen pochten oder dumpf auf den Teppichen erklangen, aber sie sah niemanden und hörte nichts. So öffnete sie den linken Flügel der Tür noch ein Stück weiter, schob das Köpfchen hindurch und spähte vorsichtshalber auch zur gegenüberliegenden Tür und zur anderen Seite des Flures hin. Dort, in der Nische mit dem Fenster, endete der Flur. Ein grazilbeiniges Schränkchen stand da und trug eine dunkle Vase mit schönem Gesteck aus bunten Blumen auf seinem Haupt.

So verließ Sophie den Raum und schloss die Türe hinter sich ganz sacht und leise. Der Gang war dunkel, denn die Sonne schien erst gegen Nachmittag durch die zahlreichen Fenster des Flures hinein. Nur die Nische war erhellt und so schöpften die Blumen dort Kraft aus dem Sonnenlicht. Gegenüber dem Schlafsaal, im Seitenflügel des Gebäudes, war ein Badezimmer angebracht, das man von zwei einander gegenüberliegenden Seiten betreten konnte, aber daneben schloss an Badezimmer und Flur ein verschneiter Innenhof mit kahlen Bäumen an. Zwischen den Fenstern des Flures standen kleine Holzmöbel, mal ein Tischchen mit Vase, mal ein Stuhl oder Sofa, und ein einziges Mal eine hohe Standuhr mit zwei schweren Pendeln.

Sophie wanderte den Flur hinauf, hielt den wachsamen Blick nicht wie üblich verträumt auf den Innenhof gerichtet, sondern spähte bis ganz zum anderen Ende hin, um jeden, der plötzlich auf den Flur hinauskam, rechtzeitig zu entdecken, um sich verstecken zu können.

An einer Stelle war die getäfelte Wand des Flurs unterbrochen, eine zweistöckige, sonnengeflutete Halle erstreckte sich dort. Oben führte der Holzdielenboden wie ein Balkon mit Geländer an den Wänden entlang, vor dem Fenster war er breiter und mit gepolsterten Stühlen und einem Tisch versehen. Die Mitte des oberen Hallenbodens war ein quadratisches Loch, in dem eine breite Treppe geschwungen ins Erdgeschoss führte und drei Meter vor dem Haupteingang des schlossartigen Stadthauses endete. Zu dieser Eingangstür musste Sophie gelangen.

Sie hockte sich an das Geländer und schaute durch die hölzernen Streben hindurch auf die Treppe. Niemanden konnte sie sehen oder hören, aber sie wusste, dass bald das Frühstück beendet sein würde. Sie hatte nicht mehr viel Zeit, also erhob sie sich und wandelte eilig, aber umsichtig die Treppe hinunter. Nahe am Geländer blieb sie und hielt bis hin zu einem der Pfosten, die das Ende des Geländers, und damit auch das Ende der Treppe, bildeten, mehrere Male inne, um nach verdächtigen Geräuschen zu lauschen. Dort unten schaute sie sich bedächtig um. Als sie glaubte, die Luft sei rein, wollte sie rasch zur Haupttüre laufen, doch da drang ein Geräusch an ihre Ohren, sodass sie gerade noch rechtzeitig innehielt.

Eine Tür wurde geöffnet, Sophies Herzchen pochte wild.

Irgendwo jenseits des Pfostens schwang eine Tür in die Halle hinein.

Haben Sie vielen Dank, Herr Bartens. Wir werden alles Nötige unternehmen, damit es wie geplant stattfinden kann“, erklang die strenge Stimme der Frau Oberin. Sophie erschrak, denn ausgerechnet von ihr durfte sie nicht erwischt werden. Ganz leise verharrte sie auf der Stufe, versteckt hinter dem Pfosten.

Aber nicht doch, Frau Oberin. Dem Waisenhaus zu helfen, besonders an den besinnlichen Tagen, das ist mir stets ein Vergnügen sondergleichen!“, beteuerte der Mann, den Sophie schon mehrmals im Hause gesehen hatte, aber dennoch nicht kannte. Es ging das Gerücht um, dass er vor Weihnachten Umbauten vornehmen sollte, aber keiner wusste es genau und die Schwestern hüllten sich in Schweigen.

Haben Sie einen schönen Tag, Herr Bartens. Und lassen Sie es mich wissen, wenn Sie Neuigkeiten haben. Diese Angelegenheit liegt uns allen sehr am Herzen“, sprach die Oberin mit Nachdruck.

Sehr wohl, werte Frau Oberin. Ich empfehle mich!“, verabschiedete sich der höfliche Mann, wobei er den Hut auf seinem Haupte mit den Fingerspitzen anhob und sich leicht nach vorn beugte.

Die Frau Oberin geleitete den Herrn noch bis zur Türe, die der Treppe genau gegenüber war. Sophie überlegte mit hastigem Puls, ob sie rasch die Treppe wieder hinauflaufen und sich abermals hinter dem Geländer des Balkons verstecken sollte, oder ob es besser war, zu harren und zu hoffen, dass sie nicht entdeckt wurde. Da schloss die Frau Oberin die Türe und schaute betrübt vor sich hin. Irgendetwas machte ihr offensichtlich Kummer, doch Sophie verstand es nicht. Dann aber drehte sich die Oberin zu der Türe um, durch die sie in die Halle gekommen war, ohne sich dabei der Treppe zuzuwenden, und verschwand alsbald.

Sophie atmete tief ein und aus. Sie blieb ungesehen, noch bis sie die Eingangstüre hinter sich gelassen hatte und im Vorhof stand. Sie konnte sehen, wie Herr Bartens aus dem Kutschfenster heraus mit einem Stallburschen sprach und ihm daraufhin eine Münze zuwarf. Der Bursche bedankte sich recht herzlich und sah der Kutsche noch eine Weile nach, wie sie über die erdige, derzeit schneebedeckte Auffahrt und durch das große Eisentor davonfuhr. Danach schaute der Junge, der einst ein Waisenkind des Hauses war, aber niemals das Glück erfahren hatte, adoptiert zu werden, in seine Hand auf die Münze hinunter. Es war kein Reichtum, doch er freute sich darüber. Bald machte er auf dem Absatz kehrt und ging zurück an seine Arbeit im Stalle ein Stück abseits der Auffahrt.

Sophie lief daraufhin die wenigen Stufen vor der Tür hinunter über den Weg der kreisrunden Auffahrt zu seiner Mitte, einem steinummauerten kahlen Kastanienbaum, hinter dem sie nach dem jungen Mann zum Stall hin spähte. Sie konnte ihn nicht entdecken, also lief sie weiter die Auffahrt hinunter bis zum Tor. Sie hatte es schon oft ausprobiert, und es klappte auch dieses Mal, dass sie sich durch die Gitter quetschte, wobei sie bemerken musste, dass sie dafür bald zu groß sein würde.

Nun aber lag vor Sophies Augen die verschneite Stadt, ein Ort für Neugierige und Abenteuerhungrige. Fröhlich und voll der Vorfreude auf ihr neues Zuhause stapfte Sophie los. Sie ging die Pflasterstraße hinunter, besah sich die großen schönen Steinhäuser mit ihren holzgestützten Dächern; die Laternenmasten, an denen sie zwei Männer entdeckte, die das Öl der Lampen nachfüllten; die prächtigen Kutschen, die über die gepflasterten Straßen von kräftigen Pferden gezogen wurden, denen weder Kälte noch Geräusche die Ruhe nehmen konnten; die Menschen in ihren feinen Wintermänteln, die hier und da wandelten und plauderten oder ihren täglichen Geschäften nachgingen.

Auch kam sie an einem Café vorbei, in dem vornehme Gäste freundlich bewirtet wurden und ihre erfrorenen Körper mit einem Tee und etwas Kuchen erwärmten. Sophie sah durch die Fenster in die Stube hinein und schwärmte davon, dass einer der Herrschaften oder eine der Damen dort, sie adoptiert hätte. Sie stellte sich lebhaft vor, wie sie dort mit ihnen am Tische saß und den leckeren Kuchen verspeiste, aber es waren nur Träume, das wusste sie. Zuerst, ehe sie an Familie denken konnte, musste sie sich einen Unterschlupf suchen.

So rannte sie noch stundenlang mit Herrn Hinkebein unterm Arm durch die Straßen der Stadt, argwöhnisch von Passanten beäugt, die das fremde Kind allein durch die verschneiten Straßen stromern sahen und sich wunderten. Immerzu hielt sie Ausschau nach einem unbewohnten Hause, in dem sie sich niederlassen konnte, oder nach einem Hüttchen, das ihr ein Dach überm Kopf sein mochte, aber sie fand nichts. Und bald, da holte sie auf ihrem Wege der Hunger ein. Außerdem war sie nach all der Zeit draußen schon von einer Kälte in den Arm genommen, die nicht mehr von ihr abließ.

So bringt es nichts, Herr Hinkebein. Hier gibt’s keinen Ort für mich. Und Hunger hab ich. Und kalt ist mir“, sprach sie vor sich hin, denn nun kam ihr langsam, stetig deutlicher werdend in den Sinn, es wäre wohl am besten, umzukehren, zurück zum Waisenhaus, wenn ihr dort auch niemand lieb sein mochte.

So entschied sich die kleine Sophie letztlich, ihr Vorhaben für heute ruhen zu lassen. An diesem Tage hatte sie nichts erreicht, doch sie würde es wieder versuchen, später einmal. In alle Richtungen sah sich Sophie enttäuscht um. Über die Häuser schweifte ihr Blick, durch den Schnee, der gemächlich vom Himmel sank, über die Straße ihr voraus und über jene, die hinter ihr lag. Dem Weg, den sie gegangen war, folgte sie ein Stück bis zu einer Kreuzung, an der Sophie aber zu ihrem Leidwesen nicht mehr sagen konnte, welche Straße sie zum Waisenhaus zurückbringen konnte. Sie hatte sich verlaufen.

Als es ihr klar wurde, schwanden ihr Mut und Hoffnung fast zur Gänze, so setzte sie sich denn frierend an eine Hauswand neben die Steintreppe zur Pforte und kauerte in dem kleinen Eckchen unter ihrem spärlichen Umhang. Herrn Hinkebein drückte sie ganz fest an sich, denn er sollte nicht so sehr frieren müssen, wie sie selbst.

Einsam und verlassen saß sie da in ihrem Eckchen, von den wenigen Passanten kaum wahrgenommen, und wusste nicht weiter.

Bald darauf aber kamen ein Herr in feinem dunklem Mantel und unter edlem Hute und seine Gattin in feinem Kleide und samtigrotem Mantel über das Pflaster spaziert. Sie bemerkten das frierende Mädchen sofort und erschraken bei dem Anblick. Das Paar kam näher und beugte sich in den schmutzigen, zertretenen Schnee hinab. Als das andere Passanten sahen, bemerkten auch die das Mädchen in seinem Eckchen.

Kleine!“, meinte der Herr mit sanfter Stimme und musterte Sophie, der Tränen in den traurigen Augen standen, die sie beschämt zur Seite hielt, fern von den mitleidigen Blicken des Paares. Sie antwortete nicht. So schauten der Herr und die Dame sich fragend an, ehe sie das im Umhang eingehüllte Mädchen erneut anschauten, vom Kopfe bis hin zu den schwarzen Schuhen, die allein unter dem blassgrünen Umhange hinausschauten.

Kleine!“, sprach der Herr erneut, als sich weitere Passanten dort sammelten und erschrocken das frierende Mädchen erblickten, „Ich will dir nichts tun. Fürchte dich nicht! Aber sag, was machst du ganz allein hier draußen? Wo sind denn deine Eltern?“

Aber das zitternde Mädchen antwortete nicht. Sophie wollte nicht preisgeben, dass sie gar keine Eltern hatte, das war ihr unangenehm und machte sie obendrein noch trauriger.

Wieder sahen sich der Herr und die Dame an. „Wir können sie hier nicht sitzen lassen, Schatz!“, meinte die Dame besorgt.

Ich weiß, aber sie redet nicht. Will es nicht, nehm ich an. Ich glaube, ich weiß schon, woher sie kommt“, meinte der Herr. Kurzum zog er seinen Mantel aus und legte ihn über die Schultern des Mädchens. Sophie erschrak dabei innerlich, weil sie sich fürchtete, doch als sie die Wärme des dunklen Mantels spürte, verging die Furcht. Sie sah fragend zu dem Manne auf.

Schatz, du wirst erfrieren!“, meinte die Dame, doch ihr Gatte winkte ab: „Lass nur, meine Liebe. Mach dir keine Sorgen, es ist schon in Ordnung. Zuhause, das ist ja nicht weit von hier, da hängen noch drei von diesen Mänteln. Und bis dahin will ich’s aushalten.“

Bald darauf, auch weil Sophie mit niemandem sprechen wollte, waren die Passanten fortgegangen, denn sie glaubten wohl, dass der Mantel dem Mädchen ein wärmendes Zelt sein würde, bis seine Eltern es gefunden hätten. Außerdem hatte der freundliche Herr gesagt, er wisse, woher sie komme, und so glaubten alle, er würde sich wohl kümmern.

Als es bald darauf dunkel wurde, kam die Furcht zu Sophie zurück. Die Dunkelheit, die mochte sie nicht. Die mochte keines der Kinder im Waisenhaus, denn man hörte von überall ganz schlimme Geschichten, die nur zur Nachtzeit geschahen. Hier draußen, so ganz allein, war ihre Furcht nun groß, dass eines der Monster und Unheilbringer sie finden und ihr Schreckliches antun würde. Aber nicht nur das, sie hatte Heimweh, so große Sehnsucht nach dem Waisenhaus, wie sie es selbst nicht für möglich gehalten hätte. Ganz dumpf, denn deutlicher vermochte es das Geräusch unter dem dicken Mantel nicht, ertönte ein Grummeln aus Sophies Magen, das sich von nun an regelmäßig meldete, um seinen Hunger zu beklagen.

Nachdem die Sonne untergegangen war und die dumpfen Laternen im sanften Schneefall leuchteten, kam eine Frau des Wegs, eine Dame mit ihren beiden Sprösslingen, zwei Jungen von gleichem Alter. Sie trieb die Söhne zur Eile an, weil es längst dunkel war und spät, aber die Jungen hatten Albernheiten im Sinn und hielten ständig an, um sich mit Bällen aus Schnee zu bewerfen.

Sophie, die unter dem dunklen Mantel in ihrem Eckchen saß, ward von der Dame nicht bemerkt, sie ging ihrer ungeachtet vorüber und rief die Jungen an, ihr eilends zu folgen, es sei nicht mehr weit bis zum Hause. Das Mädchen kauerte dort, sah zu den Jungen hinüber, die bald darauf vor ihr zum Halten kamen. Sie, nämlich, hatten die kauernde kleine Gestalt in ihrer unbändigen Neugier bemerkt. Sie sahen die Traurigkeit in Sophies Augen.

Was macht sie hier?“, fragte einer den anderen.

Bei der Dunkelheit, so ganz allein. Sie muss mutig sein!“, sprach der andere.

Aber nein! Sie zittert. Siehst du das?“, meinte der eine, während Sophie der Annahme gewahr wurde, dass die beiden sich über sie und ihre Lage lustig zu machen begannen.

Du meinst, sie hat Angst? Hätt ich auch, so ohne Licht“, erwiderte der andere.

Da rief ihre Mutter mit gar strengstem Tone, sie sollten sich sputen und nicht trödeln. Erschrocken vom Tone in ihrer Mutter Stimme rannten sie sogleich davon. Sophie war dankbar, wenngleich sie nun wieder ganz allein im Dunkeln war, denn sie wollte nicht geärgert werden. Sie kuschelte sich noch mehr in den warmen Mantel des Herren ein und wollte die müden Augen schließen, doch die Angst vor der Dunkelheit ließ sie nicht ruhen.

Bald darauf erklangen eilige Schritte. Sophie erschrak darum und machte sich noch kleiner in ihrem Eckchen, auf dass sie nicht bemerkt werden würde. Da hielt eine kleine Gestalt mit einer brennenden Öllaterne vor ihr an. Als diese merkte, welchen Schreck sie dem Mädchen versetzt hatte, da hockte sie sich nieder, stellte die warme, helle Laterne vor ihr ab und sprach in lieblichem Ton: „Hier! Die kannst du haben! Ohne Licht im Dunkeln, das kann nicht gut sein. Es ist genug Öl darin, um bis zum Morgen zu leuchten. Du musst also keine Angst haben.“

Sophie sah nun hinüber ins Gesicht des Jungen. Es war einer der Brüder, der sich so ganz und gar nicht lustig über sie machte. „Du gibst sie mir? Wird deine Mutter nicht schimpfen?“, fragte Sophie mit gerührter Stimme.

Meine Mutter?“, wiederholte der freche Junge, „Die merkt nichts. Sie wird denken, wir haben sie im Haus versteckt!“

Danke!“, murmelte Sophie noch, bevor der Junge mit eiligen Schritten zu seinem Elternhaus zurückkehrte, wo sein Bruder ihm den Rücken freihielt, denn eigentlich durften sie zu so später Stunde nicht mehr hinaus.

Sophie zog die warme Laterne näher heran und schaute in ihr Licht, das ihre Furcht vertreiben konnte, mehr noch: es taute ihren eingefrornen Mut auf.

Es wurde still in den Straßen, zu so später Stunde wollte wahrlich keiner draußen sein. Aber Sophie, obwohl sie sich bewusst wurde, dass sie wenigstens die Nacht in ihrem kleinen Eckchen verbringen musste, empfand die Furcht kaum mehr, denn das Licht leuchtete ihr so schön und warm, dass sie bestimmt eingeschlafen wäre, wenn nicht das Geräusch heranfahrender Räder sie erschreckt hätte. In der Ferne auf der Straße erkannte sie einen Pferdewagen mit zwei schwingenden Laternen am Bock. Schnaubend den winterkalten Schnee aufwirbelnd zog ein Ross das Fahrwerk heran, bis eine Stimme sie zum Halten zwang: „Brrrr“, ertönte es und der Wagen hielt ein Stück entfernt von Sophie.

Der Kutscher sprang vom Bock herunter, stapfend ertönten seine sich nähernden Schritte.

Nanu?“, sprach er verwirrt, als er vor Sophie zum Halten kam, „Ein Mädchen?“

Sophie sah zu dem schlanken Mann im schwarzen Umhang auf und zog schweigsam die Laterne näher zu sich heran.

Da hockte sich der Mann vor ihr nieder: „Ich sah von Ferne das Licht deiner Laterne und habe mich schon gewundert. Was machst du hier ganz allein? Die Nacht ist längst hereingebrochen, du solltest zuhause sein und schlafen, wie alle andren Kinder auch!“

Sophie wollte nicht mit ihm sprechen. Was hätte sie ihm auch sagen sollen? Er war ein Fremder und im Waisenhaus hatte man vor Fremden gewarnt. Als der Mann keine Antwort erhielt, wollte er sich erheben und überlegen, was er tun sollte, denn er wollte das Mädchen nicht allein da sitzen lassen. Aber da knurrte der Magen Sophies laut auf, zwar kam der Laut nur gedämpft durch den Mantel hindurch, doch der Stille der Nacht zum Dank hatte es der Mann vernommen.

Und hungrig bist du auch, wie’s scheint.“ Da sah der Mann die Schuhe, die das Mädchen trug und die ihm wohl bekannt erschienen. Er schlenderte frierend zum Wagen zurück und nahm aus einem mitgeführten Beutel einen Apfel heraus, der allein sein Mahl sein sollte, bis er das heimische Haus erreicht hatte. Den brachte er Sophie, die ihn aus Angst nicht annehmen wollte. „Nur keine Sorge. Du kannst ihn haben!“, sprach er so sanft, wie es seine rauchige Stimme zuließ, aber Sophie hatte Angst. So legte er den Apfel denn neben die Laterne und stieg auf seinen Wagen zurück. Einen Moment später trieb er das Pferd an, die Räder entfernten sich.

Nun lag der Apfel einfach da. Was sollte sie auch andres tun, als ihn mit Eile zu verschlingen, da ihr der Magen doch seit Stunden schon knurrte? Während Sophie so da gesessen und über ihre Lage sinniert hatte, waren Tränen in ihre Augen gestiegen. Sie wischte sie heraus, wollte sich an ihrer Hoffnung festhalten.

Eine Weile später kam ein weiteres Mal ein Wagen herangefahren, nein, es waren sogar zwei gewesen! Nicht nur das! Es war der Wagen von zuvor und ihm voraus fuhr eine kleine Kutsche. Sie hielten beide vor Sophie und da rief auch schon die Frau Oberin: „Himmel, nein, Sophie!“

Und als das Mädchen dies vernommen, da war sie vor Erleichterung in Tränen ausgebrochen. Noch ehe die Oberin vom Kutschbock herabgestiegen war, hatte sich das Mädchen erhoben und war zu ihr geeilt. Sie fiel ihr sogleich weinend in den Rock. „Du liebes bisschen! Sophie, was machst du denn in der Stadt?“, fragte die Frau Oberin und erwiderte die Umarmung sanft.

Die andren haben mich geärgert. Ich wollte das nicht mehr!“, rief die Kleine weinend.

Der feine Herr wie auch der Mann auf dem Wagen, der ihr gütig seinen Apfel geschenkt hatte, standen nebenbei. Während aber der Wagenführer erleichtert von dannen zog, brachte der feine Herr die Frau Oberin und das Mädchen, eingehüllt in den warmen großen Mantel und mit der Laterne in der einen und Herrn Hinkebein in der anderen Hand, zurück zum Waisenhaus.

Als sie dort ankamen, war Sophie längst in den Armen der Oberin eingeschlafen, die sie rasch unter den neugierigen Blicken der anderen Mädchen in ihr Bettchen brachte. „Nun, aber, husch! In eure Betten zurück!“, sprach die Oberin, als sie merkte, wie die Mädchen heimlich aufstehen und zu Sophie gehen wollten.

Die Oberin legte den feinen Mantel über eine Stuhllehne und stellte die Öllaterne auf den Tisch, nachdem sie ihr Licht ausgedreht hatte. Dann verließ sie das Zimmer.

Am nächsten Morgen wurde Sophie von den Mädchen geweckt, die allesamt wissen wollten, wo sie gewesen war und was sie erlebt hatte, doch als ihr Magen ganz fürchterlich zu knurren begann, fingen alle an zu lachen. Erst beim gemeinsamen Frühstück, bei dem Sophie eine extragroße Portion gereicht wurde, damit sie ihren Hunger und ihren Durst verlor, kam das Thema wieder auf. Im Angesichte aller warmen Kerzen, mit denen die anderen Kinder den Speisesaal am Vortag geschmückt hatten, lauschte das Mädchen, welche Unruhe am gestrigen Tage ihretwegen ausgebrochen war.

Es hatte sich herausgestellt, dass die Frau Oberin und die Schwestern außer sicher vor Sorge waren, als sie das Verschwinden des Mädchens bemerkt hatten. So war die Oberin mit einer Decke unterm Arm losgegangen und hatte in allen Straßen und Häusern nach dem Verbleib der kleinen Sophie gefragt. Viele Stunden war sie von Haustür zu Haustür gegangen und hatte Passant um Passant gefragt, bis eine Frau ihr letztlich Antwort geben konnte, es säße ein Mädchen neben einer Pforte und rede nicht. Zu dieser Zeit war es schon recht spät gewesen, und ein Junge aus dem Waisenhaus war nach ihr geschickt worden, es sei der Herr Ulfson mit seiner Gattin Anetta ins Waisenhaus gekommen, um nach einem Mädchen zu fragen, das ihnen womöglich davongelaufen war. Er habe ihr seinen Mantel da gelassen, weil sie auf der Straße hockte und schrecklich fror. Und als die Frau Oberin zum Heim zurückgekehrt war, da war es schon stockdunkel gewesen, so weit war sie in die Stadt hineingegangen, doch bis zu dem Ort, an den es Sophie verschlagen hatte, konnte sie unmöglich zu Fuß laufen. So war sie denn zurückgekehrt. Als sie vor dem Tore gestanden und sich von Herrn Ulfson auf den Kutschbock helfen ließ, um zu dem Mädchen hinzufahren, war sie erleichtert gewesen, dass sie einen warmen Mantel hatte. Und als sie unterwegs auf den freundlichen Mann auf seinem Wagen trafen, war sie erleichtert gewesen, dass Sophie wenigstens eine Kleinigkeit im Bauche hatte.

Nachdem Sophie erzählt hatte, warum sie weggelaufen war, fühlten sich die anderen Kinder schlecht deswegen und entschuldigten sich bei ihr.

Olaf!“, sprach die Frau Oberin manierlich, „Wie wäre es denn, wenn ihr Sophie die schöne rote Murmel überlasst, damit sie den Ärger vergessen kann?“

Aber, Frau Oberin!“, empörte sich Olaf prompt, „Die rote Murmel ist der Preis bei unsrem Wettkampf. Die kann ich ihr nicht einfach geben.“

Und das würde Sophie auch gar nicht wollen, denn sie hatte bereits drei Murmeln gewonnen und war fest entschlossen gewesen, Murmelmeisterin zu werden. Wie konnte sie das vergessen? Eigentlich waren sie doch alle ihre Freunde, selbst wenn sie sich nicht mit jedem gleich gut und mit manch einem sogar schlecht verstand, sie alle lebten hier zusammen, als wären sie eine Familie.

Ein Mann betrat den Raum, ehe Sophie die Gedanken fortsetzen konnte. Es war der Stallknecht, dem Herr Bartens die Münze geschenkt hatte. So riss er mit seinem plötzlichen Auftreten die Kinder aus ihren Gesprächen. „Frau Oberin, ein Herr steht vor der Türe. Ich hab ihn eingelassen, da er dringlich mit Ihnen reden will!“, sprach der junge Mann.

So?“, fragte die Frau Oberin, die sich nicht erinnern konnte, so früh einen Gast zu erwarten. Sie stand vom Tische auf, geziert ging sie langsamen Schrittes an der Tafel entlang und erst, als sie den Speisesaal verlassen hatte, sprangen die Kinder von ihren Stühlen und lauschten an der Tür, die sie einen Spaltbreit öffneten, um zu erfahren, was in der Halle vor sich ging.

Frau Oberin, ich grüße Sie!“, ertönte eine rauchige Stimme, die Sophie sogleich erkannte. Sie zwängte sich zwischen den Kindern durch und kam in die Halle gelaufen. Ja, da stand er tatsächlich in seiner ärmlichen Kleidung! Der Mann, der ihr den Apfel geschenkt hatte.

Durch den Lärm, den Sophie verursacht hatte, hatten sich die Frau Oberin, der Stallknecht und der gütige Mann sogleich zur Speisesaaltüre umgedreht. „Kinder!“, ermahnte die Frau Oberin sogleich, die das Benehmen unschicklich fand.

Nanu? Bist du nicht das kleine Mädchen von gestern?“, fragte der gütige Mann sogleich, als er das Gesicht und die großen Augen des Mädchens erkannte. Sophie machte seine Stimme immer noch Angst, so nickte sie nur zaghaft. Sie erinnerte sich gut, wie sie im Schein der Öllaterne gesessen und den Apfel gierig verschlungen hatte, so lief sie in den Speisesaal zurück und nahm sich eine der noch nicht entzündeten Kerzen, die sie prompt an einer anderen entfachte. Vorsichtig kehrte sie damit unter neugierigen Blicken in die Halle zurück, in der das Gespräch fortgesetzt wurde.

Frau Oberin, wir haben in der ganzen Stadt gesammelt. Diese Gaben sollen den Kindern am Fest gegeben werden, damit auch sie mit uns feiern können!“, sprach der gütige Mann und es rührte die Frau Oberin derart, dass ihr die Sprache fehlte. Hätte der Knecht nicht nach ihrer Schulter gegriffen, so wäre sie womöglich in Ohnmacht gefallen. Dass in all der schwierigen Zeit sich die Menschen für die Waisenkinder bemühten und mit ihnen das teilten, was sie hatten, das ergriff sie zutiefst.

Nun kam die kleine Sophie herbei und hielt dem gütigen Manne die Kerze hin.

Ist das für mich, Kleine?“, fragte er mit seiner rauchigen Stimme. Sophie aber mochte noch immer nicht mit ihm sprechen und nickte bloß. So nahm er denn die Kerze dankbar an. Ein warmes Licht, ja! Ein Licht, das sie ihm schenken wollte.

Nach dem Frühstück zog sich Sophie die warme Kleidung an, nahm den Mantel und die Laterne und dazu noch zwei Kerzen und stieg zum Knecht auf den Bock des Wagens. Zuerst fuhren sie hin zu den Ulfsons, die gar nicht fern in einem großen Haus lebten. Sophie gab dem Herrn seinen Mantel zurück, der sich freute, das Mädchen wohlbehalten zu sehen. Dann zündete der Knecht eine der Kerzen mit einem Zündhölzchen an und reichte sie der Kleinen. Sophie brauchte etwas Mut, doch dann übergab sie die Kerze zum Dank an den Herrn, der sich herzlichst für die liebe Aufmerksamkeit bedankte.

Danach fuhren sie zu dem Ort, an dem Sophie beinahe die Nacht verbracht hatte. In der Nähe, das wusste sie, mussten die zwei Jungen wohnen, die sie bald, nachdem sie an einem zufälligen Haus geklingelt und hernach erfragt hatten, fanden. Dort gab Sophie die Laterne zurück, ob deren Verschwinden die Mutter gar nicht böse war, als sie erfuhr, dass ihre Söhne sie einem einsamen Mädchen gaben, auf dass es Licht in der Nacht habe. Auch ihnen mochte Sophie eine Kerze schenken, ein Licht für die dunklen Tage.

Und so hielt sie es nun jedes Jahr, dass sie an Weihnachten jeden Tag Lichter auf den Fensterbänken zündete, damit die Einsamen da draußen, sich an ihrer Wärme und ihrem Leuchten erfreuen konnten.

(Ende)

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06. Dezember 2018; Autor: Bonnie C. Elgengard; Lesezeit: ca. 15-20 Minuten; Genre: Nikolaus-, Weihnachtsgeschichte; Lizenzvereinbarung: CC-D 3.0 Cc-by new.svgCc-nc.svgCc-sa.svg by-nc-sa

 



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